Museo Onsernonese
Das Museo Onsernonese ist eines von elf vom Kanton Tessin anerkannten regionalen ethnografischen Museen.
Es wurde 1966 eröffnet und befindet sich am Ortseingang von Loco, an der Kantonsstrasse, die von 1849 – 1886 erbaut wurde. Sie verbindet die neun historischen Talsiedlungen, die heute in der Comune di Onsernone zusammengeschlossen sind. Die Ausstellungsräume befinden sich in der Casa De Giorgi, einem 1821 errichteten Gebäude, das zu Wohnzwecken diente, aber auch Basis war für die Erwerbstätigkeit der Besitzerfamilie: Dorfladen, Dorfbeiz, Fuhrhalterei, Bäckerei.
Der Rundgang durch die Ausstellung erstreckt sich über zehn Räume, die die Geschichte des Onsernone nachzeichnen, wichtige Aspekte der Vergangenheit in den Vordergrund stellen und Besonderheiten hervorheben, die es von anderen subalpinen Tälern unterscheiden.
Erdgeschoss
Sie betreten das Museum im Erdgeschoss durch die ehemalige Wohnküche der Casa Degiorgi, wo sich der Empfang befindet, und gelangen in einen Ausstellungsraum, der einen Einblick in die Entwicklung der Talgemeinschaft ab den ersten nachchristlichen Jahrhunderten und die Bedeutung der Migration für die Charakteristika des Onsernone vermittelt. Die Kunstwerke in der frühmittelalterlichen Pfarrkirche San Remigio von Loco sind ein Zeugnis dafür.
Der nächste Ausstellungsraum ist dem Territorium des Onsernone gewidmet. Ende 18. Jahrhundert wurde es von Aufklärern erkundet und beschrieben – ein spannendes Zeugnis des vorrevolutionären Onsernone. Napoleon brachte nicht nur eine neue politische Ordnung, sondern 1807 mit der Abtretung der Valli die Bagni an Italien auch ein Verlust von Territorium. Von der frühesten Erschliessung des Tales mit einem Netz von Fusspfaden über Maultierpfade (ab dem 18. Jahrhundert) bis zur ab 1849 erbauten Fahrstrasse haben die Verbesserung der Verkehrswege und Verkehrsmittel die Entwicklung des Tales geprägt. Die Ausstellungsobjekte vermitteln einen Einblick.
Erster Stock
Die Strohmanufaktur ist eine Besonderheit des Onsernone, die während mehr als drei Jahrhunderten die Charakteristika des Tales geprägt und es zu einem Unikum in den lombardischen Alpen gemacht hat. Die Ausstellung zeigt die einzelnen Produktionsschritte vom Roggenstroh bis zu den Endprodukten (Hüte, Taschen etc.) sowie deren Vertrieb und Verkauf auf dem nationalen und internationalen Markt. Die intensiven Handlungsbeziehungen haben zu einem regen Kulturaustausch geführt.
Ein dritter Ausstellungsraum zeigt Werke von Onsernoneser Künstlern aus dem 19. Jahrhundert. Ihr Leben und ihre Werke belegen den kulturellen Austausch zwischen dem Onsernone und den Auswanderungsorten und legen Zeugnis ab von einem Tal am Anfang eines grundlegenden Transformations- und Modernisierungsprozesses. Emblematisch sind die Porträts des Malers Carlo Agostino Meletta (Loco 1800 – Bormio 1875), im Vergleich mit den Skulpturen von Ermenegildo Degiorgi Peverada (Loco 1866–1900).
Zweiter Stock
Die drei Ausstellungsräume im 2. Obergeschoss sind vollständig der jüngeren Geschichte des Onsernone gewidmet, d. h. den letzten hundert oder etwas mehr Jahren. Das 20. Jahrhundert war eine Zeit der fundamentalen Veränderungen von Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt des Onsernone. Es ist die Zeit der Abwanderung einerseits, ab den 30er-Jahren auch der befristeten oder dauerhaften Zuwanderung von Künstlern, Intellektuellen, Schriftstellern verschiedenster Provenienz, von Menschen auf der Suche nach Rückzugsorten, nach anderen Selbst- und Welterfahrungen in anderen Lebensräumen. Darunter auch, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, international bekannte Schriftsteller und Intellektuelle wie Max Frisch, Alfred Andersch und Golo Mann.
Ausführliche Informationen zur Präsentation dieser Epoche in der Dauerausstellung und zu den entsprechenden Recherchen- und Dokumentationsprojekten finden Sie auf der Seite Onsernone gestern und heute – Transformationen im 20. Jh.
Temporärausstellungen
Im Nebengebäude der Casa Degiorgi präsentiert das Museo Wechselausstellungen. Sie sind besonderen Thematiken des Onsernone gestern und heute gewidmet oder stellen Leben und Werk von Persönlichkeiten vor, die eine besondere Beziehung zum Tal hatten oder haben.
Informationen dazu finden Sie auf Home.
Die Liste der zahlreichen Wechselausstellungen, die das Museo Onsernonese im Laufe der Jahre organisiert hat, finden Sie hier.
